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Zusammenfassung Live-Pressekonferenz

Mehr als 50 Millionen Euro investiert die Rheinwohnungsbau GmbH in die energetische Verbesserung ihres Wohnungsbestands in Duisburg-Ungelsheim. Ziel ist der Ausbau von Erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz durch den Einsatz von Photovoltaik und Wärmepumpen im Quartier. Damit soll der CO2-Ausstoß des Quartiers von 40,2 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter Wohnfläche jährlich auf null gesenkt werden. In einer Live-Pressekonferenz a 24.03.2022 stellte das Wohnungs-unternehmen aus Düsseldorf alle Hintergründe zu den Klimaschutzaktivitäten vor.  

Klimaneutralität bis 2045 ist das Ziel, das die Rheinwohnungsbau GmbH (RWB) anstrebt. Zu diesem Zweck brachte das Wohnungsbauunternehmen ein Pilotprojekt auf den Weg, das in Serie gehen soll: Mit einem Investitionsvolumen von 51 Millionen Euro saniert sie ihren Wohnungsbestand in Ungelsheim. Die Wahl fiel auf das knapp 70 Jahre alte Viertel, weil es zu der emissionsreichsten Baualtersklasse der Rheinwohnungsbau gehört. Mit seinen 129 Gebäuden und 782 Wohnungen emittiert das Quartier 40,2 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr. Das entspricht einem Ausstoß von jährlich 1.981.880 Kilogramm Kohlenstoffdioxid. Durch die Ausstattung mit PV-Anlagen und Wärmepumpen soll sich das Quartier künftig nahezu selbst mit Strom und Wärme versorgen.  

Was die Gebäudesanierung – also beispielsweise die Dämmung – betrifft, so wurden bisher 46 Gebäude des Quartiers in unterschiedlichen Qualitätsstufen energetisch ertüchtigt; neun weitere befinden sich derzeit in der Umsetzung. Die Objekte an dem Standort verfügen über die schlechteste CO2-Bilanz des RWB-Portfolios – auch wegen der Wärmeversorgung über Gas-Zentralheizungen: Mit einem jährlichen Ausstoß von rund 40 kg CO2 pro Quadratmeter liegt der Emissionswert dieses Quartiers um 67 % über dem Durchschnittswert des gesamten Wohnungsbestandes. 

„Der größte Hebel liegt letztlich auf Wärmeerzeugungsseite“, erklärt Thomas Hummelsbeck, Geschäftsführer der Rheinwohnungsbau GmbH. „Den Heizwärmebedarf des Quartiers haben wir bereits deutlich reduziert, aber das Ziel von null CO2-Emissionen ist nur über technische Umrüstung zu verwirklichen. Letztendlich ist die CO2-Bilanz für uns das Maß aller Dinge.“ Laut der Strategie „Klimapfad 2045“ des Unternehmens soll der CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2045 auf 0 bis 6 kg CO2 pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr sinken. 

Am Anfang stand zunächst die Herausforderung, die kompletten CO2-Emissionen der 6.185 Wohnungen zu erfassen. Bei der RWB errechnete eine Projektgruppe im Laufe mehrerer Monate den exakten CO2-Fußabdruck: Er liegt bei 23,6 CO2 pro Quadratmeter Wohnfläche jährlich; das entspricht einem Ausstoß von über 10 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr. Dazu RWB-Projektmanagerin Alena Hincke: „Das Tool der ‚Initiative Wohnen 2050 – des klimapolitischen Bündnisses der Wohnungswirtschaft – leistete uns einen unverzichtbaren Dienst. Wir speisten alle Daten in dieses Berechnungsmodell ein, um unseren Fußabdruck zu ermitteln.“  

Kernidee ist, dass die Ungelsheimer Mieter ihren Strom über die Solaranlage des eigenen Daches beziehen, für die Wärme sorgen unter anderem die Wärmepumpen. Für das komplexe Projekt des Mieterstromkonzeptes kooperiert die RWB unter anderem mit zwei Partnerfirmen: der Ampeers Energy GmbH und der Einhundert Energie GmbH. Das RWB-Projektteam setzt sich zusammen aus den Projektmitgliedern Benjamin Gaidel, Projektleitung Technik, sowie Simon Spronk, Technische Kundenbetreuung, und Alena Hincke als Projektleitung.  

Die Einhundert Energie GmbH – zuständig für die Wärmeerzeugungsseite – managt den Ausbau der PV-Anlagen im Raum Düsseldorf. „Durch Photovoltaik-Mieterstrom können wir die Energiewende beschleunigen“, erläutert Gründer und Geschäftsführer Dr. Ernesto Garnier. „Dazu müssen wir PV großflächig ausrollen: weg vom Pilotieren, hin zum Skalieren. Das Projekt in Duisburg-Ungelsheim ist dabei vorbildlich: Es hat einen Anteil von 72 % am Mieterstromzubau-Ausbau in NRW.“ 

Die Ampeers Energy GmbH entwickelt das Quartiersenergie-Konzept für Ungelsheim und liefert zugleich auch das Energiemanagementsystem. Dazu simulierte sie das Projekt anhand zwei repräsentativer Gebäude über verschiedene Ausbaustufen. Gründer und Geschäftsführer von Ampeers Energy, Dr. Karsten Schmidt, erklärt, wie das funktioniert: „Wir entwarfen eine Blaupause für ein Gebäude, die wir anschließend auf die vorhandenen 129 Häuser ausrollen können. Beispiel Heizungsanlage: In die kleinen Keller sind die modernen Systeme nur schwierig einzubauen. Also lassen wir einen industriell vorgefertigten ‚Ground Cube‘ in den Boden des Grundstücks ein, der die begehbare Heizungsanlage aufnimmt. Das lässt sich standardisiert innerhalb kurzer Zeit umsetzen.“ 

Zur Skalierbarkeit ergänzt Garnier: „Damit die Rentabilität gewährleistet ist, muss man groß denken und Volumen erzeugen, damit Skaleneffekte wirken können. So können komplette Quartiere zu Mieterstromanlagen umgebaut werden.“  

Damit sich ein solches Mieterstrom-Projekt wie in Ungelsheim rechnet, müssen sich mindestens 50 % der Mietparteien daran beteiligen. Da der Vermarktungsaufwand bei den bestehenden Mietern hoch ist – schließlich verfügen alle bereits über Stromverträge –, ist eine umfassende Aufklärung nötig, und zwar beginnend beim Preis bis hin zu der Tatsache, dass es Ökostrom ist. Die RWB setzt hierbei auf ihre gut gepflegte Vermieter-Mieter-Beziehung und eine zielgerichtete Ausgestaltung der Unternehmenskommunikation. 

Damit ein Wechsel für Mieter interessant wird, muss auch der Service stimmen“, ergänzt Garnier. „‚Smart Metering‘ ist ein Stichwort: Fernausgelesene Zähler und digitale Betreuung sind entscheidend, damit die Nutzererfahrung als angenehm empfunden wird. Dazu gibt es eine App und monatliche Abrechnungen.“  

Renditeerwartungen von 4 % seien bei dem Projekt aber nicht erfüllbar, erklärt Hummelsbeck und räumt ein, dass die KfW-Zuschüsse, die das Unternehmen für die Realisierung des BEG-Standards „70 EE“ bekomme, unbedingt gebraucht werden. Langfristig spart das Unternehmen auch, weil die CO2-Bepreisung steigt. Darüber hinaus werden Erträge aus dem Stromgeschäft generiert.  

Vorrangig geht es der Rheinwohnungsbau aber um die langfristige Klimastrategie, die sie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sieht. „Wir wollen nicht hinterherlaufen, sondern vorangehen“, betont Hummelsbeck „Ungelsheim ,als unser Prototyp und Startpunkt‘ für die serielle Ausgestaltung der Klimawende im Quartier dient als Umsetzungsvorlage für weitere, zukünftige Dekarbonisierung-Projekte im gesamten Wohnungsbestand.” 

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