13.07.2019

Wenn ein Düsseldorfer Besuch bekommt, dann führt er ihn stolz an den Rhein, soviel ist sicher. Allerdings erst seit 25 Jahren. Davor endete ein Spaziergang zum Rhein nicht an den plätschernden Wellen des Ufers, sondern vor einer brummenden, mehrspurigen Straße – der B1. Über 55.000 Autos schoben sich hier täglich direkt am Rheinufer vorbei. 

Erst 1990 wurde das Rheinufer in einem gewaltigen Kraftakt umgestaltet: Die B1 wurde unter die Erde verlegt, und darüber entstand die heutige Flaniermeile. Der Bau des Rheinufertunnels gab den Düsseldorfern ihren Fluß zurück – und jede Menge Lebensgefühl. Wenn man nun aus den Häuserschluchten der Altstadt auftaucht, empfangen einen statt Abgasen die frische Brise des Rheins und das beeindruckende Panorama. 

 

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Der Beerdigung der B1 – ein umstrittenes Projekt

Doch der Umbau, der heute so selbstverständlich wie eine gute Idee erscheint, war hoch umstritten. Der Tunnelbau war eine einschneidene finanzielle und bauliche Großtat. Fast zwei Kilometer vierspurige Straße mussten unter der Erde verschwinden, mit schwindelerregenden Kosten von rund 550 Millionen DM. Außerdem war die B1 ja gerade erst nach dem zweiten Weltkrieg gebaut worden, um dem wachsenden Autoverkehr gerecht zu werden. Vierzig Jahre brauchte es, um einzusehen, dass man damit die Stadt von ihrer Lebensader abgeschnitten hatte. Zum Glück setzte sich der damalige Bürgermeister Klaus Bungert erfolgreich beim Land dafür ein, dass der Umbau stattfinden konnte und die Düsseldorfer wieder an ihren Rhein kam.

Eine historische Baustelle

Der Tunnelbau war nicht die erste große Veränderung, die das Düsseldorfer Rheinufer erlebt hat. Im Mittelalter standen die Häuser noch direkt am Wasser – und die Keller oft unter Wasser. 1898 hatten die Düsselorfer genug und rissen den Häuserblock vor der Lambertuskirche ab. 1902 folgte eine weitere bautechnische Großtat: Das Ufer wurde vorverlegt und zwei Ebenen geschaffen. Unten am Wasser wurde der Schiffsverkehr abgewickelt und oben führte ähnlich wie heute eine Flaniermeile mit Platanen entlang. 

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Die Neugestaltung der Rheinuferpromenade

Für den Umbau in den 90ern wurden zunächst große Gestaltungspläne gewälzt. Wie das Rheinufer jetzt aussieht, ist dem Team des Architekten Nikolaus Fritschi zu verdanken, der an der Düsseldorfer Kunsthochschule studiert hatte. Anstelle der Stadt einen überflüssigen Design-Stempel aufzudrücken, entschied Fritschi, den Ort und seine Akteure selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Mit klaren Linien, die das Panorama unterstreichen. Mit dem Weg aus blauen Steinplatten, der wellenförmig als ständiger Begleiter am Ufer entlangfließt. Mit einer Freitreppe und Wiesenflächen, die sich zum Rhein hin öffnen – und Logenplätze bieten beim Sonnenuntergang über dem schimmernden Fluss.

2007 kam auch das KIT dazu, das Kunstmuseum im Tunnel. Zwischen den Röhren für den Autoverkehr schuf Fritschi eine unterirdische Ausstellungsfläche für moderne Kunst. Der Eingang thront als Quader über den Rheinwiesen und wirkt beim ersten Hinsehen wie ein ganz normales Cafe. 

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Wo das Leben stattfindet

Wenn sie einem nicht so richtig auffällt, die Rheinuferpromenade, dann ist genau das der Sinn. Denn sie ist nur die Bühne, auf der das eigentliche Leben stattfinden darf. Und wie Leben geht, wissen die Düsseldorfer genau: Auf der Rheinwiese in der Sonne liegen, sich vom gemächlichen Tuckern der Schiffe einlullen lassen oder dem müßigen Spiel mit den Boulekugeln im Schatten der Platanen zuschauen. Das Variete im Apollo besuchen oder einen Drink in einem der vielen Cafes und Restaurants an den Kasematten genießen. Oder sich durch die beschwingte Menge treiben lassen, wenn Menschen von überall zum Japantag, dem Frankreichfest, der Büchermeile oder dem Oldtimerfestival “Tour de Düsseldorf” auf die Düsseldorfer Rheinpromenade strömen. 

Ein preisgekrönter Tunnel

Die Neugestaltung des Rheinufers hat das Leben der Düsseldorfer nachhaltig verändert. Nicht umsonst wurde der Bau mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet. Und nicht umsonst kann man jetzt mit Sicherheit sagen: Wenn ein Düsseldorfer Besuch bekommt, dann führt er ihn stolz an den Rhein.

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Alexander Peritjatko
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